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Rudi Dutschke (1940-1979)

Geburtsdatum: 1940-03-07
Geburtsort: Schönfeld (vormals DDR)
Todesdatum: 1979-12-24
Todesort: Aarhus (Dänemark)
Rudi Dutschke gilt als herausragender Führungspersönlichkeit der deutschen Studentenbewegung, die ab 1966 eine kulturelle Umwälzung in der Bundesrepublik einleitete. Der Soziologiestudent engagierte sich als Mitglied des Sozialistischen Studentenbundes (SDS) gegen die Große Regierungskoalition von CDU/CSU und SPD. Er entwickelte während der Studentenbewegung große rhetorische Fähigkeiten und ideologisches Geschick. Der unbequeme Intellektuelle erholte sich von einem Attentat, bei dem er 1968 verletzt wurde, nie, sondern verstarb mit nur 39 Jahren an dessen Spätfolgen.


Biographie

Rudi Dutschke wurde am 7. März 1940 als vierter Sohn eines Postbeamten in Schönfeld in der Mark Brandenburg geboren.

Wegen seines ausgeprägten politischen Bewusstseins durfte er nach dem Abitur, das er 1958 ablegte, in der DDR nicht studieren. Dutschke absolvierte daher bis 1960 zunächst eine Lehre zum Industriekaufmann. In der Zeit um 1960 fuhr er immer wieder nach Westberlin, um dort das Westabitur nachzumachen, mit dem Ziel, in der Bundesrepublik studieren zu können.

Kurz vor dem Bau der Berliner Mauer im August 1961 zog Dutschke in den Westteil der Stadt. Dort begann er noch im gleichen Jahr an der Freien Universität ein Soziologie-Studium. 1962/63 befand er sich unter den Mitbegründern der "Subversiven Aktion", die sich im Jahr 1964 dem „Sozialistischen Studentenbund“ (SDS) anschloss. Im Jahr darauf wurde er Mitglied im politischen Beirat des Sozialistischen Studentenbundes von Westberlin.

Ab 1966 nahm Dutschke an Demonstrationen gegen den Vietnam-Krieg, gegen die Notstandsgesetze und gegen die große Regierungskoalition von CDU/CSU und SPD teil. Er war einer der führenden Organisatoren von Demonstrationen gegen das „Establishment“, die die von ihm propagierte Außerparlamentarische Opposition (APO) veranstalteten.

1966 heiratete er Gretchen Klotz. Aus dieser Verbindung gingen die Kinder Hosea Ché und Polly Nicole hervor.

Auf einer Westberliner Demonstration gegen den Besuch des Schahs in der Bundesrepublik wurde am 2. Juni 1967 der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen. Dies bedeutete den Auftakt für eine Radikalisierung der Studentenbewegung.

Dutschke entwickelte sich zum führenden Kopf der Bewegung, die er mit rhetorischem und ideologischem Geschick vorantrieb. Er war einer der wichtigsten Theoretiker der studentischen Aktionen um das Jahr 1968. Er nahm am Hungerstreik für den festgenommenen Kommunarden Fritz Teufel teil und beteiligte sich an einer öffentlichen Diskussion mit dem Sozialwissenschaftler Herbert Marcuse.

Dutschke gestaltete auch die Anti-Springer-Kampagne mit, die die Enteignung des Verlagshauses von Axel Cäsar Springer zum Ziel hatte, dessen umstrittener Boulevard-Journalismus als Haupthindernis für gesellschaftliche und politische Erneuerungen galt.

Doch distanzierte sich Dutschke klar von terroristischen Anschlägen, die er als „Zerstörung der Vernunft“ bezeichnte. 1968 gehörte er zu den Organisatoren des Internationalen Vietnam-Kongresses in Berlin. Während des Prager Frühlings zeigte er auch dort Präsenz.

Am 11. April 1968 wurde Rudi Dutschke von dem Hilfsarbeiter Baumann niedergeschossen. Er erlitt dabei lebensgefährliche Verletzungen. Die geistige Verantwortung für das Attentat wurde der unverantwortlichen Hetz-Berichterstatung der Springer-Presse angelastet. Auf die Tat folgten nationale und internationale Proteste.

Zur Genesung reiste Dutschke in die Schweiz und später nach Italien und Großbritannien, von wo er 1969 jedoch ausgewiesen wurde. Er hielt sich kurz in Irland auf und durfte sich dann wieder in Großbritannien niederlassen. In dieser Zeit lebte er in London in einer Wohngemeinschaft.

1970 nahm Dutschke ein Studium an der Universität Cambridge auf, bis er wegen angeblicher „subversiver Tätigkeiten“ erneut das Land verlassen musste. Er siedelte nach Dänemark über, wo er als Dozent an der Universität Aarhus tätig wurde. 1972 besuchte er mehrmals die Bundesrepublik und Westberlin.

1973 nahm Dutschke an der Anti-Vietnam-Kundgebung in Bonn teil. Auf dieser Veranstaltung hielt er seine erste öffentliche Rede nach dem Attentat, die viel Beachtung fand. Im gleichen Jahr promovierte er an der Freien Universität Berlin im Fach Soziologie zum Dr. phil. Das Thema seiner Dissertationsarbeit lautete:“Zur Differenz des asiatischen und westeuropäischen Weges zum Sozialismus“.

1974 wurde eine überarbeitete Fassung seiner Promotionsarbeit veröffentlicht. Darin äußert sich Dutschke über einen deutschen Weg zum Sozialismus, den er ohne führende Beteiligung von Moskau, Ostberlin und Peking beschritten sehen wollte.

Dutschke war 1975 für ein Forschungsprojekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Freien Universität Berlin tätig, das sich mit einem Vergleich der Arbeitsverfassungen in der Bundesrepublik, der DDR und der Sowjetunion beschäftigte.

Im gleichen Jahre hatte er auf seinen Reisen in die DDR Kontakt mit Wolf Biermann und Robert Havemann. Dutschke hielt in Italien und Norwegen Vorträge über Berufsverbot, Menschenrechte und Osteuropa.

Ab 1976 zeigte er wieder ein verstärktes politisches Engagement. Im Folgejahr lieferte Dutschke Beiträge für die Presse der Linken. Er beteiligte sich an der Anti-Atomkraft-Demonstration in Brockdorf. Im Wintersemester 1977/78 war er Gastdozent an der Universität Groningen in den Niederlanden.

1978 und 1979 wirkte Dutschke an dem ersten und zweiten Russel-Tribunal über die Menschenrechtssituation in der Bundesrepublik mit. Politisch engagierte er sich nun zunehmend für die Bewegung der Grünen.

Rudi Dutschke starb am 24. Dezember 1979 unerwartet in Aarhus in Dänemark. Die Todesursache waren vermutlich Spätfolgen des schweren Attentats.

1980 wurde sein Sohn Rudi-Marek geboren.


Bedeutende Vertreter der Studenten- und Protestbewegung von 1966-1975