Frau Dr. Ina Busch
Die Direktorin
Hessisches Landesmuseum Darmstadt :::::::::::::::::::::::::::::::Eva Beuys Düsseldorf, den 29. 2. und 1. 3. 2008Sehr verehrte Frau Dr. Busch
Sehr geehrte DiskussionsteilnehmerJoseph Beuys:
DAS MUSEUM IN MOTION ALS TEIL DER FREIEN KULTUR
KANN NICHT BESTANDTEIL DER DEMOKRATIE SEIN"
Dieter Koepplin im Kölner Stadtanzeiger vom 23. 1. 2007 auf die Frage des Journalisten : Welchen Stellenwert messen Sie der Meinung von Eva Beuys, der Witwe, zu? Sie hat sich wie die Direktorin für einen kalkweißen Anstrich ausgesprochen. "
Dieter Koepplin : Die Museumsleiterin muss entscheiden, und das stimmt. Sie ( Eva Beuys) braucht also gar keinen Einfluss auszuüben."
Einmal bestätigt er hier Das Entscheidungsrecht der Museumsleiterin mit und das stimmt" als deren Pflicht.
Andererseits leugnet er das Recht von Eva Beuys. Er schwächt es als nur mögliche Einflussnahme" ab. Ihm scheint nicht bekannt, dass es natürliche Rechte des Estate gibt, welche zusätzlich 1994 vom Oberlandesgericht in Frankfurt bestätigt wurden.
Es besteht Einvernehmen, (zwischen der Hessischen Kulturstiftung und Eva Beuys ) dass sowohl für die Werke in Darmstadt als auch die in Kassel die Nutzungsrechte bei der Klägerin (Eva Beuys ) verbleiben.
Die Klägerin ist auch mit darüber hinausgehenden Nutzungen und Verwertungen einverstanden, sofern sie im Einklang mit dem kulturellen Ansehen der Werke stehen und im Einvernehmen mit der Klägerin erfolgen, keine übergeordneten Interessen der Klägerin verletzen..."
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Diese Ausführungen und Einvernehmlichkeiten treffen sehr genau das Rechtsverständnis von Joseph Beuys zu seinem Werk, dessen kulturellen Interessen" jetzt verletzt sind:
Joseph Beuys, 1975, Museum in Motion": Das Museum ist meines Erachtens nichts anderes ;
als ein Gebäude... Ja, das Museum kann die Sache natürlich mit einem ganz falschen Akzent versehen und trotzdem nicht eine ganz andere Geschichte daraus machen. Dafür sprechen meines Erachtens Kunstwerke ihre eigene Sprache, haben ihre eigene Sache. Und wenn das Museum das auch arrangiert und in welchen Kontext das Museum die Sache auch stellt: Die Menschen, die das
anschauen, sind frei.....Ich bin da nicht so ängstlich; ich habe nicht solche Angst vor
Missbrauch....ganz besonders auch, weil ja Museen auch Organismen sind, insofern als sie sich wandeln....Das ist es, was ich meine mit einem Museum in Motion- diese Bewegung...DieOrte sollen so gut wie möglich genutzt werden, damit das große Ziel einer veränderten Gesellschaft erreicht wird. Und dann ist jeder Ort gut.
....... Aber wenn sich ein Mensch in der Zukunft über Probleme der Farben - ich meine nicht über
Anstreicherfarben - sondern über die imaginäre, spirituelle, mystische oder geistige Seite der Farben - informieren will, muss er ins Museum gehen."
(An dieser Stelle sei angeregt endlich zu begreifen, dass die Wände kein Kunstwerk von Joseph Beuys sind, und dass diese Wände in ihrer Farbe durch sein Wort Anstreicherfarbe" sich leicht von der Farbe der Werke abgrenzen lassen. Joseph Beuys spricht als Künstler über die Farben seiner Werke. Dieser Wert ist in der Diskussion längst untergegangen, ja verdeckt worden. Solange die Diskussionen um diese Anstreicherfarbe" alleine gingen, war für den Estate noch kein Grund gegeben, sich an einer solchen Diskussion zu beteiligen. Leider wächst dieser ungesunde Samen und breitet sich unkrautartig aus in einen Satz wie : Schwarze Flecken, Löcher und Schmutzpfade verwandeln den abgeschabten Teppich in eine ZUFALLS GRAPHIK DER VERWAHRLOSUNG"". ( Till Briegler in der Süddt. Zeitung, 25.2.2008).
Hier ist deutlich, warum der Estate von seinen Rechten Gebrauch machen muss. Der so beschriebene Teppich ist nur der ehemals vorgefundene Abstellplatz einer Plastik von Joseph Beuys: Transsibirische Bahn. Eine Zufallsgraphik" und deren Verwahrlosung" waren bei dieser Plastik von Joseph Beuys als eventueller Teil seines Werkes nicht eingeplant. Die Begeisterung dafür wäre von ihm nie geteilt worden. Die Plastik kann so nicht stehen bleiben. Sie hat ihre Autonomie, ihren Werkcharakter verloren und verletzt heute einige Rechte, die Joseph Beuys als Bildhauer hat.
Was soll da noch der Satz von Dieter Koepplin in einem Brief an mich vom 30.12.2006:
Die gelbe Bodenlinie bei der Transsibirischen Bahn dar/nicht verschwinden, meine ich (selbst wenn sie von H. Bastian ist oder wäre). " H. Bastian ließe sich ja wahrlich ersetzen an dieser Stelle.weiter Museum in Motion:
Franz Haks (der Gesprächspartner): Wäre es dann nicht auch notwendig, dass das Museum regelmäßig Rechenschaft über seine Aktivitäten ablegt, damit jeder - nach demokratischem Vorbild- die Möglichkeit hätte', Einspruch zu erheben? "
Joseph Beuys: Nein, das ist missverstandene Demokratie. Es kann doch nicht jeder Mensch darüber abstimmen, was im Museum gemacht werden soll!.....Hier würde klar erkannt werden, dass das Museum zunächst als Teil der freien Kultur nicht Bestandteil der Demokratie sein kann. Das einzige, dass sich hier demokratisch abspielen kann ist doch nur das, dass die Leute sagen: ....Wir wollen jetzt mal darüber abstimmen, ob geraucht wird oder nicht bei dieser Diskussion. Demokratie kann also nicht das Museum bestimmen.
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Es ist ihre Rechtssituation und ihre eigenste Qualifikation, dass Frau Dr. Busch Die Direktorin ist. Sie ist nur ihrem Museum und dem Recht von Joseph Beuys an seinen Werken -( heute dem Estate in der Person von Eva Beuys) - verpflichtet.
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Es scheint den Diskutierenden nicht bekannt, dass die Verträge mit Karl Ströher einvernehmlich 1981 aufgehoben wurden. Urheberrechte jeglicher Art, die Joseph Beuys zustehen, stehen nun dem Estate zu. Die Diskutierenden scheinen sich nicht im Klaren darüber zu sein, wo ihre Grenzen als Mitspracherecht sind. Es erscheint dem Estate unklug und leichtsinnig den Werken, dem Museum und seiner Direktorin gegenüber sich so weitergehend sogar zu verhalten, dass nun gesagt wird:
Forderte die Behörde 2006 die feuerpolizeilich problematischen Wandbespannungen ....und brandgefährlichen Kunststoff-Oberlichter zu entfernen" -- und unwidersprochen noch 2008 darauf geantwortet wird:
Ein Auf ruf..forderte den Mut zum Verfall.... im Sinne der prozessualen Kunstidee von Joseph Beuys.....Beuys Strahlkraft entfaltet sich hier durch die Wahrung einer Zeitkapsel, in der sein Begriff von der bewegten Plastik auf die Dekorationsstoffe übergegriffen hat. ....und die Wasserschäden erfüllen gemeinsam mit den alternden und faulenden Materialien der Kunstwerke Beuys Idee von Harmonie....Hier besteht die einmalige Chance, einen Gedanken gegen seine Restaurierung zu verteidigen. ( Till Briegler, SZ.)
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Seit 2006 - 2008 also stehen die Werke in der bekannten Gefahr, durch Brand oder Wasser vernichtet zu werden. Diese Gefahr wird gerne in Kauf genommen, um Gebäudeteile und Auslegeware zu erhalten. Es erinnert mich an die Herzogin Amalie Bibliothek. Bisher ist jedes Werk von Joseph Beuys dank des Museums bestens erhalten. Nichts fault". ( Till Briegler, SZ.)
Aber das kulturelle Ansehen der Werke von Joseph Beuys" betrachtet der Estate jetzt als real verletzt durch die zerschlissenen Räume und die Streitigkeiten. Der Erhalt der Werke ist real gefährdet, so dass diese in Sicherheit gebracht werden müssen.
Ebenfalls sind natürlich die Interessen des Landes gegenüber zu schützenden Werten gefährdet. Die Diskutierenden und die Autoren - wer auch immer - eignen sich sowohl fremdes geistiges Eigentum an ( das von Joseph Beuys ) als auch grob fahrlässig fremdes wirtschaftliches Eigentum. Im Sinne einer Joseph Beuys missverstehenden und nach meiner Ansicht von Einzelnen geduldeten und sogar begrüßten Vernichtung der Werke selbst, zumindest aber ihres Werkcharakters.
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Eine zusätzliche lebensnahe Erweiterung zu dem Menschen Joseph Beuys hilft vielleicht:
Hatten wir unliebsame Gäste, so nahm mein Mann einen Besen und begann zu fegen. Waren sie gegangen, so strich er unmittelbar anschließend die Wände, um wieder einen atmosphärisch reinen Raum für sich und uns zu haben. Hätten diese Räume uns gehört, so plante er sie rundum, oben und unten auch, mit Marmor zu umkleiden. Solche kühle und reine Umgebung wollte ich der Kosten wegen dem Museum nicht zumuten bei der Renovierung.
Bei Frau Dr. Busch entschuldige ich mich im Namen von Joseph Beuys für das, was ihr in seinem Namen zugemutet wird. Es ist nicht sein Stil des menschlichen Umganges. Sie ist übrigens die Direktorin, die ungeheuer viel für die Erfassung der Werke von Joseph Beuys in bestem kunsthistorischen Stil während all dieser Zeit des sonstigen Stillstandes mit Herrn Dr. Pohl zusammen leistet.
Eva Beuys, März 2008
Joseph Beuys Estate